Galerie Mainzer Kunst 2006
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Hannelore Hilgert und Gabriele Strecker
Plastik und Malerei
Einführungsrede gehalten am 2.12.2006
Dr. Gabriele Rasch, Kunsthistorikerin


Monumentale, würdevoll in stiller Einkehr versunkene Köpfe begrüßen uns gleich im Schaufenster der Galerie. Die nackten, markanten Schädel mit ihren quasi auf den Punkt gebrachten Körperöffnungen faszinieren, ziehen an. Auch wenn sie keinerlei Ähnlichkeit mit der Anatomie von Totenschädeln aufweisen, so berühren sie, ebenso wie diese, durch ihre schonungslose Nacktheit und Verletzlichkeit, den Kem des Menschen.
Welch anderes Material als Erde könnte Hannelore Hilgert sinnfälliger Weise für die Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch nutzen? Aus Erde geschaffen, zu Erde werdend, steht das Material als Sinnbild für den Kreislauf des Lebens. Aber wer von uns hat noch wirklich etwas mit Erde zu tun? Hannelore Hilgert jedenfalls lässt die Erde nicht mehr los. Sie interessiert sich für göttliche und antike Schöpfungsmythen, für alle Zeugnisse, die aus der Erde kommen. Diese geistige Auseinandersetzung findet ihren Ausdruck in geformter, gebrannter Erde.
Die hier ausgestellten Torsi und Köpfe weisen alle, die für Hannelore Hilgert typische körnige, von Schrunden und Rissen durchzogene Oberflächenstruktur auf, welche den ursprünglichen Charakter der Erde wiedergibt. Die großflächigen, streng und statisch wirkenden Formen werden belebt durch ein differenziertes Farbspiel. Das zum einen durch den gezielten Brand im Gasofen oder aber durch eine nachträgliche Patinierung in Türkistönen entsteht.
Auch wenn ihre Arbeiten oft nur wie silhouettenhafte Scheiben wirken, arbeitet Hannelore Hilgert sie vollplastisch in Hohlaufbautechnik. Dabei geht sie bis an die Grenze des Machbaren: Dehnt und reißt den Ton bis er fast zerbricht. Für die Werkgrappe "Nexus" zerlegt sie den fertigen Torso oder Kopf in geometrische Grundformen und brennt die Einzelteile unterschiedlich lang im Gasofen. Anschließend kittet sie die Wunden mit gewöhnlichen Kabelbindern aus weißem Kunststoff. Ein krasser Kontrast, der Brüche und Einschnitte im menschlichen Leben symbolisiert, aber auch Hilgerts Wunsch nach Kontinuität von Altem und Modernem.
Diese Grundidee verfolgt sie in ihrer jüngsten Installation "Geborgte Erde" weiter. In kleinen, durchsichtigen Kunststoffkästen liegen verschiedene Fragmente menschlicher Körper. Zunächst vollständig gearbeitet, dann auseinander gerissen, liegen die Köpfe mit friedvoll geschlossenen Augen, wie kostbare Reliquien in ihren Schreinen. Ihrem meditativen, sakralen Charakter entsprechend, sind sie hier wie in einer Grabkammer angebracht und bewahren das wertvolle Gut der Ursprünglichkeit....